SweetSixteen - Das Programmkino im Depot| Europa Passage

Dortmund

SweetSixteen - Das Programmkino im Depot Dortmund
Fünf Jahre begleitete der Regisseur Andrei Schwartz rumänische Roma, die in Hamburg betteln. Sie nahmen ihn mit zu ihren Schlafplätzen und reisten mit ihm in ihr Heimatdorf in den Karpaten. Das sweetSixteenKino und bodo laden zum Filmscreening und anschließendem Gespräch mit dem Regisseur Andrei Schwartz und Bastian Pütter (bodo).
Wir alle kennensie, die Menschen, die vor dem Drogerie-, Supermarkt oder vor der Kirche sitzen und betteln. Meist über mehrere Monate jeden Tag am gleichen Ort, bis sie plötzlich wieder weg sind. Aber wer sind diese Menschen, woher kommen sie und wohin verschwinden sie dann wieder? Was bringt sie dazu,bei jedem Wetter auf der Straße zu sitzen und zu betteln? Der Filmemacher Andrei Schwartz geht dieser Frage nach und begleitet in seinem Dokumentarfilm „Europa Passage“ über einen Zeitraum von fünf Jahren das Lebeneiner Gruppe von Roma, die dauerhaft zwischen Hamburg und ihrem rumänischen Heimatdorf Namaiesti pendeln.

Mangels Arbeit in Rumänien verdienen sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder mit Betteln in Hamburg. Sie schlafen unter Brücken und in Parks, in ständiger Angst, entdeckt und vertrieben zu werden. Für die städtischen Behörden gelten sie als„freiwillige Obdachlose“, der Zugang zu den Notprogrammen bleibt ihnen sogar im Winter verwehrt. Alle paar Monate fahren sie heim, zurück zuihren Kindern und Verwandten. Um zu verstehen, warum sie ihre Liebsten für Einnahmen von ein paar Euro am Tag zurücklassen, begleitet der Filmsie zurück in ihr Heimatdorf Namaiesti. Wir erleben mit, wie hart die Bedingungen vor Ort sind und erfahren, dass diese Migration auch eine Folgeder Wende ist, seit der es in der Region weder Arbeitsplätze noch einePerspektive gibt.

Die zwei Hauptprotagonisten Maria und Tirloi sind dieeinzigen, die es im Laufe der Jahre geschafft haben, sich ein Stück Normalität aufzubauen. Sie bilden die Brücke zwischen den beiden Welten: Er hat Arbeit, sie geht noch immer betteln. Sie können ihre Enkelin zu sich holen, die als erste in der Familie lesen und schreiben lernt. Doch der Aufstieg hat seine Schattenseiten – er führt zu Neid und Konflikten mit den anderen Dorfbewohnern und zu einer Entfremdung zwischen den beiden.Denn – wie Regisseur Andrei Schwartz resümiert – „alles hat seinenPreis“.

Ein Film über Menschen, die kaum eine Chance haben, und trotzdem versuchen, das Beste daraus zu machen. Und über den Preis, densie dafür zahlen müssen.

Regisseur Andrei Schwartz, selbst gebürtiger Rumäne, gelingt es seine Protagonisten frei von Vorurteilen und immermit Würde zu zeigen – und erreicht so einen wirklich intimen Einblickauf Augenhöhe in das schwierige Leben dieser Menschen, die einfach nur deutlich mehr Pech hatten als die meisten von uns.
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Die Latscher:innen waren eine proletarische Jugendbewegung zur Zeit des deutschen Faschismus, von der Kurt Piehl in seinem Roman "Latscher, Pimpfe und Gestapo" eindrücklich berichtet. Laut seiner Mutter war der Begriff "Latscher" vor 1933 ein "Schimpfwort, das die Spießer den wandernden Arbeiterjugendlichen nachriefen". Nach 1933 wurden sie so zum Gegenentwurf der "Marschierer" und lieferten sich Schlägereien mit Hitlerjugend und Polizei. Ihr Treffpunkt befand sich lange Zeit am Brügmannplatz und viele der Latscher:innen entstammten dem proletarischen Dortmunder Norden.

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